Auch Ritter-Damen waren eitel

Zeitungsbericht der Stadtzeitung vom 1.12.2004 (Ottmar Hellriegel)

Vereine/ In Königsbrunn wurde wieder das Mittelalter mit dem ersten schwäbischen mittelalterlichen Flohmarkt erweckt. 35.000 Ringe braucht man für ein Kettenhemd.

Königsbrunn. Der erst seit sechs Jahren bestehende Verein „Die Lechfeldrecken“ organisierten für Königsbrunn für vergangenes Wochenende den ersten Mittelalterlichen Flohmarkt in Schwaben. In der Aula der Südschulegaben 15 ausstellende Gruppn eine umfassenden Einblick in ihr altertümliches Hobby und boten ihreangekauften, aber auch größtenteils selbst gefertigten Utensilien an. Schon eine Stunde vor der offiziellen EröTalida, ansonsten Märchenerzählerin und Orakel von Königsbrunn, führte nach einer Kostprobe ihrer Handlesekunst den 3.Bürgermeister Anton Kurz durch die umfangreiche Ausstellung. Das Angebot reichte von Broschen, Schnallen, Zinntellern, Trinkgefäßen sogar aus Hörnern, Felle, Armbrust bis zum Arsenal großer und kleiner Schwerter. Für Kinder waren sie aus Holz gefertigt. Dass die Damenwelt schon vor Jahrhunderten sehr eitel war, zeigten schmucke Broschen, Anstecker und Haarnetze mit verstärktem Oberteil und Hauben aus der Renaissance. Am Nürnberger Stand war ein Holzbadezuber zu sehen.ffnung waren die attraktiven Plätze belegt.

Hauptmann Thomas Arnold (links) und Michael von Falkenburg (ganz rechts) ließen sich gerne ihre scharfen Klingen vom mittelalterlichen Fechtmeister Mika (mit Hut) aus Augsburg begutachten. Er will kommendes Jahr in Königsbrunn einen historischen Fechtunterricht geben.

An diversen Kleiderständern offenbarte sich die Mode der damaligen Zeit. Über die Damen-Unterbekleidung kann männlicherseits nur spekuliert werden. Manches intimes Geheimnis konnte an diesem Tag nicht gelüftet werden. Vieleicht gibt darüber die Literatur Auskunft, die am Königsbrunner Flohmarkt reichaltig angeboten wurde.
Weil die Lechfeldrecken über sechs Stunden fit für Kontaktgespräche sein mussten, hatten sie Harnisch und Kettenhemd abgelegt. Dieser eiserne Schutz besteht aus bis zu 35000 Ringen und wiegt 12 Kilogramm. Für Schaufenster-Dekoration und Kinder fertigt Hauptmann Thomas auch Kettenhemden aus Aluminium. Als eifrigster schwäbischer Hersteller dieser vielbewunderter Rüstung musste er immer wieder seine Demonstration unterbrechen, um die diversen Fragen der Besucher zu beantworten.
Aus Sicherheitsgründen musste auf das spektakuläre Feuerspucker verzichtet werden. An den Pranger gestellt wurde niemand, denn die Gighlander, die solch ein Folterwerkzeug besitzen, mussten aus Termingründen kurzfristig absagen.
Die Lechfeldrecken bedanten sich bei 3.Bürgermeister Anton Kurz für die unbürükratische, schnelle und tatkräftige Unterstützung durch die Stadt und der Schulleitung der Südschule. „Von solchem Engagement können wir nur träumen“, war von den auswärtigen Gruppen zu vernehmen. Bislang waren in Königsbrunn nur schwertklirrende Schaukämpfe zu sehen. Doch Mika, jetzt in Augsburg wohnend, lehrt dort echten mittelalterlichen Schwertkampf. Ein Schulungstag umfasst acht Stunden. Die Lechfeldrecken wollen Mika im Februar nach Königsbrunn einladen, Interessenten für Schwertkampf wären genügend vorhanden. (hel)

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